Die Ausgangssituation:
Ein ehemaliges
Schwesternwohnheim (250 Einheiten) wird mittlerweile privat betrieben, die
Appartements werden warm vermietet, da Einrichtungen für getrennte
Verbrauchserfassung und -abrechnung nicht vorhanden sind. Das Wohnheim ist ein
einhüftiges L-förmig gebautes Gebäude mit 13 Stockwerken aus den Jahren 1970 -
1972. Die Betriebskosten sind im Zeitraum von 2000 - 2002 auf mittlerweile ca.
100.000 € angestiegen. Der durchschnittliche Leerstand beläuft sich auf ca. 15
%. Es findet ein relativ häufiger Mieterwechsel statt, da verschiedene örtliche
Unternehmen die Einheiten für Mitarbeiter nutzen. Das Objekt ist
fernwärmeversorgt, für grundlegende Sanierungsinvestitionen ist die Ertragslage
zu angespannt. Gleichzeitig muss etwas passieren, damit die steigenden
Heizkosten die Erträge nicht noch weiter verringern.
Die Aufgabenstellung:
Es soll das gesamte
Gebäude in allen Belangen auf den Prüfstand gestellt und verschiedene
Varianten sollen hinsichtlich ihres möglichen Einsparpotenzials untersucht
werden. Dabei ist die "Gesamt- Liquidität", d.h. die Gesamtsumme aus
Betriebs- und Kapitalkosten, in besonderem Maße im Auge zu behalten. Eine
höhere Liquiditätsbelastung als momentan ist nahezu nicht mehr zu
vertreten. Es sollen verschiedene Einzelmaßnahmen betrachtet und ein
"Stufenkonzept" entwickelt werden. Verschiedene Detailmaßnahmen sollen
u.U. durch eigenes Personal seitens der Hausverwaltung durchgeführt werden.
Das langfristige Ziel soll die größtmögliche Loslösung von der
Abhängigkeit der Fernwärmeheizung und ggf. Umstellung auf eine
Erdenergieanlage sein. Hierzu sind in besonderem Maße Investkosten und
mögliche Förderprogramme zu untersuchen.
Die Vorgehensweise:
Erstellung einer
"Untersuchungsmatrix" in Abstimmung mit Bauherrschaft und Architekt,
welche Varianten aus Bau- und Haustechnik untersucht werden. Berechnung der kompletten Betriebskosten für die untersuchten Varianten
(Raumheizung, Betriebsstrom, Zählermiete, Wartung).Ermittlung der
zu erwartenden Herstellkosten für die jeweils erforderliche Technik oder Zusatzmaßnahme und Kapitalisierung im Hinblick auf die gewünschte
Finanzierungsdauer und -konditionen (Zins und Tilgung) unter
Berücksichtigung von am Objektstandort besonderen Förderbedingungen
hinsichtlich GEOTHERMIE. Berechnung der Gesamtkosten aus Betrieb und
Kapital, da beide Kostenblöcke zu bedienen sind.
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| Variante |
1 |
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3 |
4 |
5 |
6 |
7 |
8 |
9 |
10 |
Jahres-
betriebs- kosten
(in Euro) |
99.451 |
92.767 |
95.214 |
81.171 |
64.255 |
82.442 |
82.135 |
58.332 |
48.483 |
40.742 |
Kapital-kosten
(in Euro) |
0 |
7.102 |
4.259 |
19.017 |
105.305 |
13.137 |
2.026 |
46.879 |
48.038 |
59.497 |
Summe
Jahres-
gesamt-
kosten
(in Euro) |
99.451 |
99.870 |
99.473 |
100.189 |
169.560 |
95.615 |
84.161 |
105.211 |
96.522 |
100.239 |

Das Ergebnis / Die Empfehlung
Die Grafik zeigt
mit Variante 1 die derzeitge Betriebssituation. Variante 5 zeigt die zu
erwartende Kostenstruktur bei Ausführung eines kompletten
Vollwärmeschutzes und Austausch aller Fenster und Außentüren. Diese
Variante ist aus finanzierungstechnischer Sicht nicht denkbar. Ab
Variante 6 werden zunächst Einzelmaßnahmen betrachtet, die sich im Wesentlichen
auf die nachträgliche Bauteilabdichtung und das Thema kontrollierte
Wohnraumlüftung sowie Geothermie beziehen. Varianten 9 und 10 stellen die
Addition mehrerer Einzelmaßnahmen dar. Durch die nachträgliche
Abdichtung der noch sehr gut gepflegten Fenster, den Einbau einer Anlage
zur kontrollierten Wohnraumlüftung, die nachträgliche Isolierung der offen
liegenden Steigeleitung und die Grundlastdeckung der Heizenergie durch eine
Erdenergieanlage lassen sich die Betriebskosten auf 40.000 €/a senken. Für
die Installation der Erdenergieanlage werden bis zu 40 % Zuschuss durch
das Bundesland in Aussicht gestellt. Werden "nur" 20 % Förderung realisiert,
ist die Liquiditätsbelastung nicht höher als bei der derzeitigen
Betriebssituation. Es wurde dem Investor empfohlen, zunächst im Rahmen von
Wohnungswechsel, bzw. renovierungen die Einbaufugen von Fenstern und Türen
nachträglich abzudichten, die Verteilleitungen der Heizung zu isolieren und
eine mechanische Entlüftungsanlage zu installieren. Diese Leistungen
können zum größten Teil durch eigene Fachhandwerker (Hausmeister) ausgeführt
werden. Es wurde empfohlen, zunächst 1 - 2 Steigestränge und die hierüber
beheizten Wohnungen zu "optimieren". Gleichzeitig sollten in jeweils ein
bis zwei "sanierte und unsanierte" Stränge Wärmemengenzähler eingebaut
werden, um die prognostizierten Einsparpotenziale verifizieren zu können.
Im Anschluss sollte dann, nach Bewilligung der entsprechenden Fördergelder,
die Errichtung einer geeigneten Erdenergieanlage angegangen werden.
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