Die Ausgangssituation:
Ein Büro- und Ausstellungsgebäude mit ca. 4.800 m² Gesamtnutzfläche, welches nach WSVO 95 vorgeplant wurde, wird erst nach Einführung der EnEV 2002 umgesetzt. Auch der Bauantrag wird nach Februar 2002 gestellt. Die ursprünglich geplante Bauweise, die nach WSVO 95 Niedrigenergiestandard aufwies, ist nach EnEV durch verschärfte Grenzwerte hinsichtlich des Primärenergieverbrauches nicht mehr genehmigungsfähig.

Die Aufgabenstellung:
  • Es soll aus mehreren "Gesamtenergie-Varianten" (Bauphysik und Haustechnik einschließlich Klimatisierung) diejenige Variante erarbeitet werden, die langfristig die Betriebskosten auf akzeptablem Niveau hält und dabei die Gesamtkosten nach Möglichkeit nicht über die nach Planungsstand WSVO 95 anwachsen lässt, damit die Finanzierung des Bauvorhabens nicht gefährdet wird.
  • Ergänzend sollen innerhalb des Gebäudes die vorzunehmenden Installationen nach Möglichkeit für Heiz- und Kühlzwecke abwechselnd genutzt werden können, so dass für die Kühlung des Ausstellungsbereiches keine Zusatzinvestitionen erwachsen.
  • Die Bauherrschaft bittet um Untersuchung ihres Objektes hinsichtlich der Gesamtkosten (Betrieb und Kapital) für verschiedene Maßnahmenpakete.


  • Die Vorgehensweise:
  • Erstellung einer "Untersuchungsmatrix" in Abstimmung mit Bauherrschaft und Architekt, welche Varianten aus Bau- und Haustechnik untersucht werden.
  • Berechnung der kompletten Betriebskosten für die untersuchten Varianten (Raumheizung, Betriebsstrom, Zählermiete, Wartung).
  • Ermittlung der zu erwartenden Herstellkosten für die jeweils erforderliche Technik oder Zusatz-maßnahme und Kapitalisierung im Hinblick auf die gewünschte Finanzierungsdauer und -konditionen (Zins und Tilgung).
  • Berechnung der Gesamtkosten aus Betrieb und Kapital, da beide Kostenblöcke zu bedienen sind.

  •  
     
    Variante 1 2 3 4 5 6
    Jahres-
    betriebskosten
    (in Euro)
    17.243 14.190 13.197 7.343 5.628 4.481
    Kapitalkosten
    (in Euro)
    8.348 19.661 14.339 15.965 19.388 27.973
    Summe
    Jahres-
    Gesamt-
    kosten
    (in Euro)
    22.592 33.851 27.536 23.308 25.016 32.454




    Das Ergebnis / Die Empfehlung
  • Die Grafik zeigt Variante 1 (rot dargestellt), die die Planung nach WSVO 95 widerspiegelt und nach EnEV 2002 nicht mehr genehmigungsfähig ist, da der Primärenergiekennwert überschritten ist.
  • Variante 2 zeigt die Gesamtkostensituation bei einer "rein bautechnischen" Optimierung, d.h. Optimierung über die passive Energietechnik (Bauphysik), wie es üblicherweise durch Architekt und Statiker durchgeführt wird. Die Verbesserung der Bauphysik spart zwar Betriebskosten ein, sprengt aber den Finanzierungsrahmen, da die Gesamtkosten durch den Investor nicht mehr bedienbar sind.


  • Die Empfehlung
  • Variante 4 zeigt, dass es bei Beibehaltung der Bautechnik und stattdessen Investition in die "richtige Energietechnik" möglich ist, die aufzuwendenden Betriebskosten mehr als zu halbieren (Einsparpotenzial ca. 10.000 €/a), dabei aber die Investitionskosten lediglich in einem Maße anwachsen zu lassen, dass die Gesamtkosten aus Betrieb, Zins und Tilgung unter dem Niveau des ursprünglich Geplanten liegen.


  • Folgende Zielsetzung wurde erreicht:
  • Die insgesamt aufzuwendenden Kosten wuchsen nicht
    über das Niveau der ursprünglichen Planung an.
  • Die Betriebskosten sind so weit gesunken, dass sich
    Energiepreissteigerungen nur noch relativ gering auswirken.
  • Durch die geringen Betriebskosten wird auch langfristig
    eine sinnvolle Vermietbarkeit des Objektes sichergestellt.